Dead Capital – Session 02: Knochenarbeit
Mekara tat sich erneut mit Aiden von den Ebony Goats zusammen, um im Grabhügel nach weiteren Schätzen zu suchen. Zu ihrer Verstärkung warben sie den Zwerg Bodowin an, der im Smiling Eel auf eine Gelegenheit wartete.
Nachdem man sich auf eine gerechte Aufteilung der Schätze verständigt hatte (Aiden bekommt den Löwenanteil), ging es früh am nächsten Morgen los ins Moor. Aiden führte die Dreiergruppe an Ziegengattern und Feldern vorbei auf dem ihr bekannten Weg Richtung Gräberfeld. Nach einigen Stunden machte sie die anderen auf entfernte Trommelgeräusche aufmerksam, die Drei beschlossen aber das Trommeln weiträumig zu umgehen. Aiden erkundete diesen Umweg und fand einige Zeit später auf den Pfad Richtung Gräberfeld zurück.
Dort angekommen, umrundeten sie die ersten Grabhügel, die aus dem dicken Nebel auftauchten und fanden nach kurzer Zeit den von den Ebony Goats geöffneten Hügel wieder. Nichts deutete darauf hin, dass in der Zwischenzeit jemand anderes hier gewesen war. Aiden machte den Anfang, warf ihre Fackel in den dunklen Treppenabgang hinab und zwängte sich durch den Spalt im Siegelstein. Mekara befragte die Statuette ihres Gottes, ob in der Tiefe Übles lauere und erhielt durch die zitternden Schwingen prompt die ungute Antwort. Dennoch stieg sie als nächste hinab, gefolgt vom übervorsichtigen Bodowin, der den Schluss bildete.
Keine Bewegung zeigte sich in der hohen Eingangshalle mit der Statue auf der gegenüberliegenden Seite. Doch deutlich waren kratzende und schabende Geräusche aus dem Dunkel des linken Durchgangs zu hören. Bodowin schlich sich näher heran und nutzte die tanzenden Schatten als Deckung. Im äußersten Licht der Fackel sah er eine weite Halle vor sich liegen. Der gekachelte Boden war weiter hinten durch eine Vertiefung jäh unterbrochen. Die Geräusche schienen von dort zu kommen. Plötzlich tauchte ein skelettierter zersplitterter Schädel, der von einem Helm nur noch notdürftig zusammen gehalten wurde, aus der Grube auf. Noch ehe er näheres sehen konnte, fiel der Untote aber mit lautem Scheppern nach hinten zurück. Langsam schlich Bodowin näher, musste aber an der Grube angekommen feststellen, dass selbst seine Zwergenaugen die Dunkelheit hier nicht durchdringen konnten. Bodowin machte den anderen ein Zeichen, mit der Fackel näher zu kommen, sah sich aber damit konfrontiert, dass er sie zwar gut sehen konnten, die Sehkraft von Aiden und Mekara im Dunkeln aber nicht ausreichte, um ihn ebenfalls sehen zu können. Also musste er zu den anderen zurück und sie näher an die Grube bringen.
Jetzt zeigte sich, dass drei Skelette in die Fallgrube geraten waren. Vergeblich hatten sie bisher versucht, sich daraus zu befreien. Eines der Skelette lag reglos am Boden und die beiden anderen hatten abgeschabte Knochen vom Versuch, an der steilen Wand emporzuklettern. Schnell sammelte die Gruppe schwere Bruchstücke der Türen zusammen und zerschmetterten damit mit gezielten Würfen die wehrlosen Skelette. Danach schauten sie sich in der Halle weiter um. Zahllose Alkoven zogen sich an den Wänden entlang, vollgestapelt mit Gebeinen. Hier waren hunderte von Menschen zur letzten Ruhe gebettet worden und jemand hatte akribisch Knochen auf Knochen gestapelt.
Aiden und Bodowin durchsuchten einige Knochenstapel, um zu sehen, ob dort etwas Wertvolles zu finden war. Sie wurden fündig und beschlossen, die 160 Alkoven gründlich zu durchsuchen. Wohl wissend, dass sie das einige wertvolle Zeit kosten würde. Mekara segnete unterdessen die Gebeine neu ein, um ein untotes Auferstehen zu verhindern. Bodowin war so sehr mit seinen Schaufelarbeiten beschäftigt, dass er zu spät bemerkte, wie sich eine hohe Wand aus Knochen gefährlich in seine Richtung neigte und dann krachend auf ihn niederstürzte. Er konnte sich mit einem beherzten Sprung zur Seite gerade noch retten. Die weitere Knochenarbeit wurde dann aber belohnt durch ein ganz besonderes Fundstück: ein schön gearbeiteter Wurfdolch mit dem stilisierten Kopf einer Gans als Knauf.
Im aufwirbelnden Knochenstaub schaute Mekara abermals auf das Zeichen ihrer Göttin. Für einen Augenblick zeigten sich unheilige Symbole und Totenschädel auf den Flügeln der Statuette. Fast zeitgleich begann sich aus unzähligen Schädeln, die wie eine Schar Ratten über den Boden huschten, eine Mauer am Durchgang zur Haupthalle zu formen. Sie drohte ihnen den Rückweg und die Atemluft zu nehmen. Beherzt bannte Mekara dieses Unheil noch ehe es sich ganz formieren konnte.
Nachdem alle Schätze der Nekropole geborgen waren, setzte Bodowin die Suche im anderen Raum fort. Deutlich hing noch der Geruch des Brands von vor wenigen Tagen in der Luft, als die Gruppe die Mumie im Sarkophag angezündet hatte. Eine weitere akribische Untersuchung des Raumes brachte keine neuen Erkenntnisse und so beschloss die Gruppe, lieber noch einen weiteren Grabhügel zu inspizieren, bevor der fortschreitende Tag sie zwang, nach Heany zurück zu kehren.
Der Eingang des nächstgelegenen Hügel war nicht verschüttet und auch der Siegelstein unversehrt. Ein großes Glück für die Gruppe. Doch noch während sie sich über das Öffnen Gedanken machten (keiner hatte einen Vorschlaghammer dabei), tauchten drei Skelettkrieger aus dem Nebel auf. Mekara dachte gleich an die achtköpfige Ehrengarde der Toten in der Nekropole, von denen sie bisher lediglich drei vernichtet hatten. Mit rostigen Schwertern, Speeren und den Überresten einer Lanze bewaffnet, gingen die Skelette direkt auf die Überrumpelten los. Während Aiden einen schnellen Sprung nach hinten auf Flanke des Grabhügels machte, mühte sich Bodowin zu lange mit seinem schwer mit Schätzen gefüllten Rucksack ab. So wurde er zum alleinigen Ziel der drei Angreifer, die ihm mit koordinierten, erstaunlich gewandten Schlägen zusetzten. Einer der Skelettkrieger hielt den herumliegenden Rucksack für ein Ziel seines Vernichtungswillens, doch die anderen beiden trafen Bodowin an Hals und Unterleib. Der Stich der zerbrochenen Lanze traf ihn brutal in den Genitalien. Bodowin ging bewusstlos zu Boden. Blut sickerte aus seiner Kleidung.
Wieder war es Mekara, die den Untoten Einhalt gebieten konnte. Mit der Kraft ihrer Göttin schlug sie die drei Skelette in die Flucht. Bei Bodowin angekommen, stillte sie mittels magischer Kraft die Wunde, doch das reichte nicht, um ihn wieder zu Bewusstsein zu bringen. Da schlug Aiden einen Deal vor: Sie würde Bodowin ihren wertvollen Heiltrank, eine Art Lebensversicherung, die sie beim Zauberer in Heany gekauft hatte, geben, wenn dieser ihr die Hälfte seiner Schätze abtreten würde. Nicht in der Lage, gegen diesen lebensrettenden Handel Widerspruch einzulegen, verabreichte Mekara dem Zwerg den Trank und Bodowin kam wieder zu sich.
Jetzt hatten alle genug vom Gräberfeld und man machte sich auf den Rückweg. Nach einigen Stunden kamen die Gruppe an einem kleinen Moorsee vorbei, in dem, einige Meter vom Ufer entfernt, ein Boot angetäut war. Geöltes Tuch hielt das Boot gegen die Witterung verschlossen und es schien allgemein in gutem Zustand zu sein. Doch keiner verspürte große Lust noch länger als irgend nötig im Moor zu bleiben und so zogen die Drei direkt weiter, um so schnell wie möglich das sichere Heany zu erreichen.