Dead Capital – Session 5: Abgeschnitten

Die Zeichen stehen auf Krieg mit dem Feind im Norden. Daher sind Truppenausheber nach Heany gekommen um für Haus Ironguard Männer und Frauen anzuwerben. Abenteurer und Dörfler geraten gleichermaßen ins Visier der aggressiven Werber, darunter auch Mekara und Scrat.

Mekara stellte offen ihre Gebrechen zur Schau, so dass der Anwerber Vester, ein feister Kerl mit panischer Angst vor Ansteckung, schnell von ihr abließ. Scrat nutzte sein Wissen um die gestrandeten Gestalten aus, die sich in seinem im Entstehen begriffenen Armenhaus versammelt haben. Er lieferte einen davon, den jungen Wudrow, ans Messer und entkam so selbst dem Soldatenschicksal.

Währenddessen gingen die Bauten rund um den Morrigu-Schrein gut voran. Und Arvor fand einen geeigneten Hügel unweit von Heany, zwischen dessen Obelisken wohl schon in der Vergangenheit dem Gott Vindonnus gehuldigt wurde. Diese Tradition möchte Arvor, entsprechende Geldmittel vorausgesetzt, wieder aufgreifen.

Scrat erkundigte sich nach dem Wissenden Auge, den anderen Grabräuber, deren Lager sie im Moor entdeckt hatten. Dabei hörte er von Ako, die geheimnisvolle Anführerin des Wissenden Auges, die mit Bedacht und einem magischen Stab mit gigantischem Auge ihren Trupp bereits zu einigen Erfolgen geführt hat.

Arvor hatte das magische Schwert des untoten Kommandaten bei dem zwergischen Schmied Karg Barrelgut und dem Zauberer Mazzahs der Unverkennliche untersuchen lassen und weiß nun, dass es sich um Schwert von Umra dem Rechtschaffenen handelt. Die magische Kraft des Schwertes ist groß, allerdings auch für den Träger gefährlich.

Es gelang der Gruppe abermals den Halbling Fuldo für den Gang ins Moor anzuwerben. Fuldo ist mittlerweile sehr gefragt und kann sich aussuchen, mit wem er zusammenarbeiten möchte. Sein verlorenes Holzschwert hatte er durch ein Schwert aus Stein ersetzt, was sich noch als extrem nützlich erweisen sollte.

Die Reise zum Gräberfeld ließ sich gut an, bis nach einigen Stunden plötzlich schwere Regenwolken aufzogen und ein Platzregen niederging, der das Land in tückischen Morast verwandelte. Die Gruppe war gerade dabei eine Senke zu durchwandern und wurde von dem plötzlich ansteigenden Wasserspiegel überrascht. Gerade noch rechtzeitig gelang es Scrat, der die Gruppe führte, sie aus dem Gefahrenbereich zu bringen.

Am Gräberfeld angekommen, stellten sie fest, dass sie ein gutes Stück weiter nördlich als die letzten Male auf den ersten Grabhügel stießen. Die Gruppe beschloss, sich diesen direkt anzuschauen. Der verschüttete Eingang musste mit vereinten Kräften freigelegt werden. Dabei machten sie einen grausigen Fund: die abgeschlagene Hand einer Frau, an deren Finger ein feiner Verlobungsring steckte. Die Hand war unter dem Handgelenk mit einem glatten Schnitt sauber abgetrennt worden! Vom Rest der Frau fehlte jede Spur, lediglich ihre Initialen G.W. waren dem Ring zu entnehmen.

Es zeigte sich, dass der freigelegte Siegelstein vor nicht allzu langer Zeit schon einmal nach oben aufgestemmt worden war. Doch als die Arvor und Scrat das gleiche versuchten, stürzte ein Teil des Eingangs ein, so dass nur ein kleiner Durchgang zwischen Felsen und Erdreich den Weg nach Innen freigab. Scrat entschloss sich als erster in den dahinter liegenden Treppenschacht einzusteigen. Kaum hatte er einige Stufen der steilen und engen Treppe passiert, gab eine der Stufen unter seinen Füßen nach und gewaltige Axtblätter schnellten aus beiden Wänden rechts und links heraus. Instinktiv warf sich Scrat zu Boden, was ihm das Leben rettete. Nachdem er sich von dem Schock erholt hatte, verkeilte der die Stufe mit dem Auslöser und wies die anderen an, vorsichtig über die Falle hinweg zu steigen.

Mit größter Vorsicht führte Scrat die Gruppe tiefer die Treppe ins Grabmal hinab. Die Treppe endete abrupt an einer vier Schritt tiefen Grube, die mit Lanzen gespickt war. Zweieinhalb Meter trennte sie von der anderen Seite, erschwert durch den Umstand, dass die Decke hier sehr niedrig war und den möglichen Sprung darüber entsprechend einschränkte. Als Scrat auf die letzte Stufe vor der Fallgrube trat, löste er eine weitere Falle aus. Sie hatte es auf diejenigen abgesehen, die sich mit einem Sprung auf die andere Seite retten wollten. In der Mitte über der Grube schlugen zwei weitere gewaltige Axtblätter zusammen und hätten jeden, der den Sprung versuchte, in zwei Teile geschnitten.

Mittels alter Handschellen von Arvor gelang es Fuldo, die beiden Axtblätter aneinander zu ketten und damit die Falle nicht nur auszuschalten, sondern auch eine Verankerung für ein Seil zu schaffen, an dem sich jetzt einer nach dem anderen auf die andere Seite schwingen konnte. Dahinter lag ein kurzer Gang, an dessen Ende Licht aus einer Kammer drang. Beim Näherkommen sahen unsere Grabräuber, dass das rötliche Licht von zwei Totenschädeln ausging, die rechts und links von einem Altar aus grauem Basalt aufpflanzt waren. Auf dem Altar stand ein Schrifttafel aus schwarzem Ton, von der eine dünne Rauchschwade sich zur Decke kräuselte. Mekara, die ihr heiliges Symbol um Rat befragte, sah an ihren blutverschmierten Händen, dass sich ein unaussprechliches Übel in der Kammer vor ihnen befand.

Mekara und Arvor erkannten in den Wandmalereien rechts und links und den sich windenden Leibern auf dem Altarrelief Motive der Verehrung des Totengottes Orcus. Der Gott des gewaltsamen Todes, der Verzweiflung und der Lust an Vernichtung hatte zusammen mit seinem Bruder Set ihren Vater Nergal gestürzt und war wohl von den Erbauern der Gräber verehrt worden. Die eine Malerei zur Rechten zeigte eine Prozession Verzweifelter Menschen auf dem Weg zu einer Meeresklippe, um sich dort in die Tiefe zu stürzen. Die andere zur Linken gab das Bild geknechteter Dörfler wieder, die zum Schafott auf dem Marktplatz zuliefen. Inmitten der Prozession erkannte Scrat die Frau, deren Hand vor dem Eingang in der Erde gelegen hatte.
Die Zeichen ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass es sich um eine machtvolle Opferstätte Orcus' handelte und sich die Gruppe in großer Gefahr befand.

Trotzdem entschlossen sie sich, den Versuch zu wagen, die Stätte zu entweihen und wenigstens kurzfristig deren Macht zu brechen. Scrat und Fuldo sollten die Wandmalereien im Namen von Morrigu und Vindonnus umgestalten, während Mekara und Arvor einen heiligen Choral der beiden Götter anstimmten. So sollte die Prozession der Strophe um Strophe drang ihr Gesang durch die Kammer. Plötzlich stießen Hände aus der Prozession der Verzweifelten, die Scrat zu Mekaras Symbol der Morrigu führen wollte. Scrat konnte sie gerade noch abwehren und auch Fuldo entkam dem Angriff einer Gestalt, die aus der Wandmalerei heraus mit Zähnen nach ihm schnappte.

Gemeinsam brachten Arvor und Mekara den Choral weiter voran. Die Totenschädel glühten blutrot auf und es war ihnen als würde Blut durch die zuckenden Leiber des Altarreliefs rinnen. Fuldo kratzte mit seinem Steinschwert das Zeichen Vindonnus, den er ebenfalls verehrt, über das Schafott, während Scrat Morrigu's Symbol in einem Wandloch verankerte. Dabei wurde er kurz von der selbstzerstörerischen Macht Orcus' überwältigt und hätte sich fast selbst in den real gewordenen Klippenabgrund gestürzt. Es gelang ihm gerade noch, sich am Symbol festzuhalten.

Mit letzter Kraft setzten Mekara und Arvor aber die Entweihung fort und konnten sich gegen die Kräfte Orcus' behaupten. Für den Moment lag die Kammer still und frei von Gefahr vor ihnen. Die Gruppe nutzte das, um schnell die Urnen in den Nischen zu durchsuchen und fand sie gefüllt mit verschiedenen Edelsteinen. Eine reiche Belohnung für die immense Gefahr, der sie getrotzt hatten.