Die Gefährten der Freiheit

In unserer ersten Spielsitzung lernten wir vier von fünf der Charaktere etwas näher kennen.

Da ist Cor'wren Frostfaust. Er bezeichnet sich selbst als intellektuellen Troll. Er ist recht klein und schmächtig für einen Troll, trägt einfache, zweckmäßige und bequeme Kleidung. Gerne in Weiß, weil er sich das als Sanitäter in den Höhlen angewöhnt hat. Sein ständiger Begleiter ist eine Tasche mit Heil-Utensilien.

Dann ist da Rokosch Ambolosch, seines Zeichens zwergischer Schütze. Er ist 1,23 m groß und wiegt um die 50 kg und trägt eng anliegende sportliche Kleidung. Je weniger sie ihn behindert, desto besser. Rokosch ist diszipliniert, regelkonform und eine Vision treibt ihn voran. Er hat den neurotischen Waffenschmied des Öfteren bei der Wache kennengelernt, wenn er dort die Abwehrmechanismen des Kaers inspizierte oder die Wachen darauf schulte, diese nicht auszulösen.

Dabei ist auch Fraa'orolo. Ein Obsidianer-Elementarist. 105 Jahre jung, hat er smaragdgrüne Augen und seine Haut sieht aus wie jadefarbener Stein. Der Obsidianer wurde von Samsa Ort, dem Leiter der Elementaristenschule, unter die Fittiche genommen und ausgewildert. Dieser schenkte ihm auf seinem Sterbebett einen Obsidian Skin Potion. Doch leider kam Samsa nicht mehr dazu, ihm zu sagen, was es damit auf sich hat.

Der Vierte im Bunde ist Selis oder auch Sven genannt, ein Windling Steppenreiter. Er hat grün-pinkes Haar, ist 34 Jahre alt und trägt stolz eine Tertömerung auf der Brust, die auf seine erfolgreiche Erwachsenenprüfung zusammen mit seinem wunderbaren Zoak-Reittier Zasa aufmerksam macht. Wie alle Windlinge ist Selis ausgelassen und steht den Veränderungen, die sich im Kaer anbahnen, sehr offen entgegen. Er kann es kaum erwarten, dass sich das Kaer endlich öffnet und er an die Oberfläche treten kann.

Prägende Ereignisse

Einige Ereignisse prägten das Aufwachsen unserer Adepten im Kaer. Für Rokosch war das eine grassierende Hungersnot, die erst dadurch eingedämmt werden konnte, als eine nahrhafte Pflanze im Jasprewaggarten entdeckt wurde, die sich in den Zuchthöhlen kultivieren ließ. Sie verträgt den salzigen Boden ausgezeichnet und bringt kartoffelartige Knollen hervor, die sehr nährreich sind.

Für Fraa'orolo war es der Einsturz eines Teils des Lochosttempels, der ihn prägte. Das war vor rund 50 Jahren. Nach dem Gründungsfest kam es zu Ausschreitungen, als Betrunkene die Lochost-Anarchisten aufmischen wollten. Durch eine Verkettung von unglücklichen Umständen stürzte ein Teil des Tempels ein und begrub eine ganze Familie unter sich. Fraa'orolos Lehrmeister rettete ein Kind aus den Trümmern. Für Fraa'orolo ein Ereignis, das sich tief eingeprägt hat.

Selis wurde seinerseits Zeuge eines Dämoneneinbruchs im Salzgarten des Kaers. Das geschah in seiner Kindheit. Der Dämonen ergriff Besitz von Namensgebern, die daraufhin abscheuliche, verzerrte Salzfiguren formten. Es wurde nie wirklich aufgelöst, welche dunkle Macht hinter diesen Ereignissen steckte. Sie hörten einfach eines Tages auf.

Der Troll Cor'wren half mit, Verschüttete zu befreien und hat sie als Sanitäter vor Ort verarztet. Das Erschütternde dabei war, dass diese Einstürze im Kaer eventuell absichtlich ausgelöst wurden.

Hoffnungen und Träume

Unsere Adepten hoffen auf eine bessere Welt dort draußen.

Für Fraa geht es um Harmonie von allen Dingen. Rokosch möchte die Zwerge wieder vereint in Troal sehen und er ist der Überzeugung, dass alle Zwerge von Grund auf gut sind. Selis hofft einfach, dass die Dämonen weg sind und dass der Weg frei ist. Er geht fest davon aus, dass man sicheren Fußes auf der Erdoberfläche wandeln kann. Für Cor'wren ist die große Hoffnung, dass die Erzfeinde, die Theraner, zerstört werden können und ihre Verbündeten ebenso.

Die Gruppe hat sich selbst ihren Namen gegeben. Der Gruppenname lautet: Die Gefährten der Freiheit.

Die Endlose Treppe

Dann schauten wir zurück in die Kindheit der Adepten, als sie den Schritt in die Erwachsenenwelt machten. Traditionell wird dieser getan, indem das Kind eine der ersten sechs Stufen der endlosen Treppe, die zum Tor führt, das das Kaer von der Außenwelt abschirmt, hinauf steigt. Jede der sechs Stufen ist mit einem Symbol versehen und hat eine andere Bedeutung.

Im Kaer herrscht die Meinung, dass man mit der Wahl seiner Stufe ein Zeichen dafür setzt, wie das eigene Erwachsenenleben verlaufen wird. Mit diesem Schritt überschreitet das Kind die Grenze zum Jugendlichen und damit hinein ins Erwachsenenalter.

Wir stellten fest, dass drei der Charaktere die Geschichte der sechsten Stufe, auf der das Zeichen ausgekratzt ist, kannten. Die Geschichte vom ausgekratzten Turm, die eine sehr traurige ist, weil sie die Geschichte von drei Freunden ist, die sich die sechste Stufe gleichzeitig als ihr Zeichen erwählten und voller Mut waren, und nur wenige Tage später bei dem Versuch ums Leben kamen, einen der Luftschächte zu erklimmen und dabei von einer fälschlich ausgelösten Feuerfalle zur Unkenntlichkeit verbrannt wurden.

Cor'wren kennt die Geschichte vom Geist des über den Tod schier wahnsinnig gewordenen Vaters. Rokosch hat die Geschichte von seinem Vater bei der Wache gehört, als eine Warnung vor den Gefahren des Kaers. Und Selis kennt die Geschichte, weil die Windlinge von klein auf davor gewarnt werden, in die Luftschächte zu fliegen. Und genau diese Geschichte genutzt wird, um ihnen klarzumachen, dass dies eine Grenze ist, die sie keinesfalls überschreiten dürfen. Viel zu kostbar ist das Leben der wenigen jungen Windlinge im Kaer.

Die Charaktere erwählten sich folgende Stufen: Fraa entschied sich für die vierte Stufe, die Stufe der Sonne. Cor'wren nahm die sechste Stufe, die ausgekratzte Stufe des Turms. Und Selis wählte die dritte Stufe, die Stufe des Rotkehlchens für sich. Rokosch wählte zuletzt das Schwert, die fünfte Stufe.

Die dritte Stufe, die Stufe des Rotkehlchens, steht für den neuen Anfang, für die Wiedergeburt nach einem langen Winter. Die vierte Stufe, die Stufe der Sonne, steht für deren Wärme und die Kraft, die alles wachsen lässt. Die fünfte Stufe, die Stufe des Schwerts, steht für die Wehrhaftigkeit und Standhaftigkeit. Und die verfluchte sechste Stufe? Cor'wren erfuhr, dass sie für den Mut und die Waghalsigkeit steht.

Für Fraa kommt in seiner Stufe seine Studien der Natur und die Sonne als Teil des elementaren Ganzen zum Tragen. Für Cor'wren ist es die Verbindung zu den Toten, zu den Kindern und zur Geschichte des Kaers. Für ihn ist das eine Lücke, die gefüllt werden muss. Für Selis steht das Rotkehlchen für neue Erfahrungen, für neue Freuden und neues Leben, das das mit sich bringt. Und für Rokosch geht es um das Bewahren und das Verteidigen des Kaers, der Schutz, der gebracht werden muss, der Schutz für die Gemeinschaft.

Als der Troll die 6. Stufe erklomm, spürte er die Präsenz des Geistvaters neben sich und zeitgleich griffen die Hände der Toten nach ihm. Waren es die toten Kinder? Waren es andere? Das ist unklar. Klar ist, dass der Geist ihn davor bewahrte, in die Geisterwelt gezogen zu werden.

Fraa erhielt als Geschenk seiner Reife einen Sonnenstein, Rokosch ein Lederriemen, den er um seine Armbrust wickelte, Selis ein wunderbares Gedicht in Windlingssprache und Cor'wren einen Runenstein mit der Mut-Rune eingraviert.

Das Ritual der Öffnung

Dann stand der große Tag bevor. Das "Ritual der Öffnung" wird vollzogen, nachdem es drei Jahre zuvor einmal gedient hatte, um die Gruppe der Tagbringer nach draußen zu lassen. Die Gruppe wurde darüber unterrichtet, dass sie über die endlose Treppe mehrere Sicherheitsschleusen durchqueren mussten, dass aber nur das unterste und das oberste Tor von innen geöffnet und sofort darauf auch wieder geschlossen werden würde. Es wird keine Möglichkeit geben, für die Adepten das Kaer von außen direkt wieder zu öffnen.

Es war ein großes Ereignis und alle hatten sich auf dem großen Platz versammelt, um dabei zu sein, wenn die Adepten über die Stufen durch das Tor schritten. Durch die Kraft der Elementaristen des Kaers öffnete sich das Tor und unter Beifall, Jubel, aber auch sprachlosem Staunen und sicherlich auch mit Sorgen und Hoffnung begleitet, entließ das Volk seine Helden in eine ungewisse Zukunft.

Der Aufstieg

Die Adepten folgten dem ersten Treppenschacht nach oben, vorbei an einem großen Mosaik, das verschiedenste Szenen der Vertiefung in Spiel, Wissenschaft und Kunst im Kaer zeigte. Sie sahen Namensgeber, die sich gegenseitig Geschichten vorlasen. Einer, der etwas vortrug und die anderen kräftigen Beifall spendeten. Von Zwergen wurde ein Theaterstück vor versammeltem Volk aufgeführt. Ein Windling und ein Mensch in rhetorischem Wettstreit. Verschiedene Namensgeber, die heftig darüber diskutierten, wie ein nackter Zwerg wohl am besten auf die Leinwand zu bringen war. Es wurden Pilze nach ihrer Form und gemäß eines Bestimmungsbuches gedeutet. Würfel- und Figurenspiele waren zu sehen oder auch gemeinsam gekocht. Inmitten des Mosaiks standen menschliche Schriftzeichen, die allerdings niemand aus der Gruppe deuten konnte.

Dann erreichten sie auf dem ersten Treppenabsatz das nächste Tor. Es bestand aus Gusseisen und darin waren verschiedenste Gegenstände eingelassen oder aufgeklebt: Holzspielzeug zum Beispiel, ein mit einer Peitsche anzutreibender Kreisel, Notenblätter oder verschiedene Drucke und Holzschnitte. Ein Würfel, der auf seinen Flächen verschiedene Sternenkonstellationen darstellt. Holzstäbchen, die dem Spiel dienten. Ein Xylophon, das sofort von Selis ausprobiert wurde. Töpferwaren, von kleinem Tiegelchen bis hin zur großen Amphore, Silberbesteck und vieles mehr.

Die Charaktere machten sich daran, herauszufinden, wie dieses Tor wohl zu öffnen sei. Durch Ausprobieren stellte Selis fest, dass seine Glasmurmeln an einer ganz bestimmten Stelle in diesem Gesamtgebilde auf dem Tor eingesetzt werden wollten. Beherzt nahm er eine der Stellen und drückte seine Glaskugel hinein. Die anderen begannen es ihm gleich zu tun. Rokosch wählte seine kleine Salzstatuette eines Einhorns, das sich prompt neben anderen Spielfiguren einfügte. Cor'wren verfolgte einen anderen Ansatz: Er schmückte nicht das Tor selbst, sondern gravierte seine Runen in den gesamten Rahmen des Tores ein. Die Arbeit und auch die des Obsidianers, der zuletzt lange Fäden quer über das Tor zwischen den verschiedenen Gegenständen hin und her spann, dauerte deutlich länger bis weitere Fackeln hinabgebrannt waren. Dann hörte man deutlich, wie das Tor seine Verriegelung öffnete und es konnte am schweren Eisenring von Rokosch aufgezogen werden.

Ein weiterer Treppenabschnitt lag nun vor ihnen. Was würde sie dort erwarten?