Dead Capital – Session 6: das Nest


In Heany erfuhr Mekara durch Claire, eines der angeheuerten Klageweiber, mehr über den Stützpunkt des Wissenden Auges. Der Gutshof liegt 30 Minuten von Heany entfernt und wird zweimal pro Woche von Claires Onkel Turgen mit Nahrungsmitteln beliefert. Dort müssen um die zehn Leute einquartiert sein. Turgen weigert sich mit der Anführerin Ako im Gutshof zu verhandeln, nachdem ihm ein Gast einen unheimlichen Schrecken eingejagte. Der Mann war seiner Gesalt nach einer Vogelscheuche ähnlich und hatte Turgen durch seinen bohrenden Blick in die Flucht geschlagen. Seither verhandelt er mit Ako nur noch in seinem Laden.

Scrat ließ sich von Mekara in den Morrigan Kultus einführen. Außerdem beauftragte er einen Poeten damit, die Schwächung des Orcus Altars in mitreißende Verse zu gießen, die er dann im entstehenden Armenhaus an die Wand schreiben ließ. Stompfs Stampf erfreut sich großer Beliebtheit und hat mehrere Gönner unter den Abenteurern gefunden. Der Fortbestand dieser Armenspeisung scheint vorerst gesichert.

Arvor kümmerte sich unterdessen um die weitere Instandsetzung des Vindonnus Kultplatzes. Die Obelisken wurden verschönert, ein Unterstand errichtet und erste Blumen und Sträucher gepflanzt. Schon beginnt sich der neue Ort der Vindonnus Verehrung über die Grenzen Heanys hinaus herumzusprechen. Erste Gläubige treffen ein.

Arvor hörte sich in Heany auch weiter über Orcus und seine Anhänger um. Er fand gute Unterstützung in Keeva Ó Carvy, der Priesterin des alten Gottes der Stärke und des Kampfes, Cromm Cruach. Außerdem brachte Mekara ihn mit Ryn Cuil zusammen, der Priesterin der Cailleach. Beide sehen sich als Widersacher des verbotenen Totengottes Orcus und sind bereit einiges dafür zu geben, wenn dessen Kultstätte für immer vernichtet werden würde. Doch vorerst hat Ryn noch andere Verpflichtungen ihrer Gruppe, den Ebony Goats, gegenüber. So einigte man sich darauf, gemeinsam gegen den Altar loszuschlagen, sobald beide Gruppen ihren nächsten Zug ins Moor hinter sich gebracht haben. Mekara sorgte dafür direkt vor: der verlässliche Halbling Fuldo sagte zu, ebenfalls mit gegen Orcus zu ziehen.

Mekara machte sich auch noch daran, mehr über die Trägerin des Ringes zu finden, die ihre Hand in der Erde des Grabhügels verloren hatte. Sie nutzte die im Verlobungsring eingravierten Initialen, G.W., um sie mit einer, von ihr zu erstellenden, Genealogie Heanys abzugleichen. Dazu muss sie aber erst noch viele Gespräche führen.

Um sich für den nächsten Zug ins Gräberfeld besser zu wappnen, heuerte Mekara einen neuen Waffenträger, den Zwergen Murdar an. Murdar war aus seiner sechsköpfigen Truppe ausgeschlossen worden (er schien sich in zu vielen amorösen Abenteuern gleichzeitig verstrick zu haben) und wurde im Söldnerquartier für einen extrem niedrigen Preis vermittelt. Mit Augenklappe, dafür aber Rüstung, Schild und Schwert ausgestattet, verstärkte der mürrische und scheinbar humor- und gottlose Murdar die Truppe.

Ein weiteres Zusammentreffen mit den Boggards, nachdem der erste Kontakt katastrophal verlaufen war. Scrat behielt die Nerven und zeigte dem ebenfalls sichtlich überraschten jungen Boggard-Fischer an, dass er sich respektvoll zurückziehen möchte. Das gelang und der Boggard, der sichtlich ob seiner einschüchternden Erscheinung von sich selbst sehr angetan war, ließ Scrat ziehen. So konnte die Gruppe das Dorf der Boggards mit seinen Hütten aus Schildkrötenpanzern in einem weiten Bogen umgehen.

Scrat führte die drei anderen etwas nördlicher als sonst ins Gräberfeld. Sie kamen an einen verschütteten Grabhügel, auf dem sich eine ganze Kolonie großer Vögel eingenistet hatte. Ihr Schnattern und heißeres Schreien hallte über das ganze Gräberfeld als sie sich an die Freilegung des Grabes machten. Den intakten Siegelstein beschloss die Gruppe dieses Mal nicht zu zertrümmern, sondern nur zur Seite zu schaffen. Das sollte sich noch als schwerer Fehler erweisen.

Scrat stieg als erster in das Grabmal hinab, nicht ohne sich ein Tuch vor Nase und Mund zu binden, um den entsetzlichen Verwesungsgestank etwas abzuhalten, der daraus hervorkroch. Einige Stufen weiter unten lag ein in weißes Gespinst gehülltes Etwas, das sich bei näherer Untersuchung als skelettierter Hund, umgeben von einem weißen, pergamentartigen Kokon herausstellte. Der Gestank wurde noch beißender, als Scrat mit seinem Brecheisen den Kokon beschädigte und ihn dann auch noch in Brand setzte, so dass dicke Rauchwolken aufstiegen.

Die ganze Treppe hinab lagen auf der rechten Seite weitere eingesponnene Tierleichname und Scrat war sich sicher, dass sie mitten in die Speisekammer von Riesentausendfüßlern geraten waren. Die Treppe öffnete sich zu einem einzelnen Raum, einer niedrigen Krypta mit vier Steinsarkophagen. Rechts neben dem Treppenabsatz war ein rundes, fassgroßes Loch in der Wand zu sehen. Während Scrat und Arvor begannen, Schutt in das Loch zu stopfen, um durch den Lärm der entstehen würde, falls sich etwas zu ihnen bewegte, alarmiert zu werden, untersuchte Mekara die weitere Krypta. Zwischen den hinteren Sarkophagen hatten die Riesentausendfüßler eine Art Nest geschaffen. Darin lagen rund ein Dutzend zusammengeringelte Nachkommen, jede so groß wie ein Teller.

Als Mekara näher kam, um Stompfs Netz über das Nest zu werfen, kam mit einem Mal Bewegung in der Schuttberg unter dem Nest und ein ausgewachsener Riesentausendfüßler kam zum Vorschein. Wütend zischend ging er zum Angriff über. Gleichzeitig war von vorne ein Klappern und Scheppern zu hören, als sich ein weitere Kreatur neben Arvor und Scrat aus dem Loch wand. Mit einem gezielten Schuss brachte Scrat Mekara's Angreifer zur Strecke. Doch Arvor konnte sich nicht auf das zweite vielgliedrige Tier konzentrieren, da er bemerkte, wie sich der Siegelstein oberhalb der Treppe schloss.

Arvor stürzte die Treppe hinauf, kam aber nur noch rechtzeitig, um einen baumstarken Arm, mit pockigen Narben und Büscheln von Haaren wie Draht übersäht, sein Werk vollenden und den Siegelstein verschließen zu sehen. Da er hier nichts ausrichten konnte, eilte Arvor schnell wieder zu den anderen hinab und half ihnen den Riesentausendfüßler zu bekämpfen. Scrat wurde von den Mandibeln getroffen, zeigte sich aber gegen das Gift immun, das durch die Wunde in seinen Körper gelangte. Gemeinsam konnten sie die Kreatur recht schnell töten. Die schnelle Durchsuchung der Sarkophage brachte einiges an Schmuck und anderen Grabbeigaben zum Vorschein, die sich in Heany sicherlich gut verkaufen ließen.

Dann machten sie sich daran, sich zu befreien. Der Siegelstein ließ sich nicht mehr heraushebeln. Offenbar hatte jemand ganze Arbeit geleistet und den Stein von außen mit Erde zugeschüttet. So beschloss die Gruppe, den Stein zu zertrümmern und räumte die Erde, die sich danach die Treppe herunter ergoss, zur Seite. Ein Tunnel, breit genug um hindurch zu kriechen, öffnete den Weg ins Freie.

Arvor wagte die Flucht nach vorn und gelang ins Freie. Als er sich in Richtung Hügel umschaute, sah er dort eine groteske Gestalt sitzen. Der Körper ähnelte einem Gorilla, der Kopf einem Warzenschwein mit krummen Hauern, die aus dem übergroßen Maul herausstaken. Lange, haarige Ohren reichten bis auf die muskelbepackten Schultern hinab. Ein Lendenschurz aus Tierhäuten war das einzige Anzeichen, dass die Gruppe kein Wildtier vor sich hatten. Mit einem grunzenden Geräusch drehte  sich die Kreatur um und sprang mit einem gewaltigen Satz außer Sichtweite. Niemand verspürte Lust, der Kreatur nachzusetzen. Es war Zeit nach Heany zurück zu kehren.

Auf dem Weg traf die Gruppe auf das niedergebrannte Lager des Wissenden Auges, das sie bei einem ihrer letzten Moorgänge entdeckt hatten. Spuren von drei Brandstiftern, eine Spur davon markant durch die geflickte Sohle am rechten großen Zeh, führten zurück ins Moor. Scrat folgte der Spur für kurze Zeit. Die Brandstifter hatten sich anscheinend nach ihrer Tat in Richtung Gräberfeld aufgemacht. Die Gruppe beschloss aber kein weiteres Risiko einzugehen und setzte ihren Weg nach Heany fort wo sie einige Stunden später wohlbehalten eintrafen.