Dead Capital – Session 10: die Seele, eine Laterne

Dead Capital – Session 10: die Seele, eine Laterne

Die Gruppe um Mekkara, Arvor, Scrat setzte ihre Erkundung der unteren Gänge fort. Nach kurzer Rast öffnete Gallin mit seinem zwergischen Dietrich die Tür gegenüber der Kammer, in der die Ghule ihnen aufgelauert hatten. Zuvor hatte er von Innen ein Mauzen, wie von Katzen, gehört.

Ein aufgebahrter Leichnam, in die Reste von Brokatkleidung gehüllt, lag in der Mitte der Kammer. Fünf mumifizierte Katzen streunten umher, offenbar noch lange nach dem Tod mit ihrem Besitzer verbunden. Zunächst ließen sie sich von einem Brocken fetten Aal ablenken, sprangen dann aber Arvor entgegen, der einen ersten Schritt in die Totenkammer gewagt hatte. Sie sprangen ihm ins Gesicht und schlugen nach seinen Augen. Scrats Bolzen nagelte eine Katze gegen die Wand, die anderen ließen sich davon aber nicht beeindrucken. Ein hässlicher Kampf entbrannte, in dem die Gruppe aber schnell die Oberhand gewann. Nur Arvor hatte sich zwischenzeitlich von dem furchteinflößenden Fauchen der Katzen verjagen lassen und brauchte einige Zeit, um sich wieder zu sammeln.

Hinter der nächsten Tür, die zur Abwechslung nicht verschlossen war, lag eine völlig leere Kammer. Das machte Mekkara stutzig und eine weitere Untersuchung brachte zutage, dass hier eine raffinierte Illusion an der rechten Wand den Zugang zu einem weiteren Raum verbarg. Mekkara nutzte ihre Lupe, um das Licht von Arvors Kugel so zu bündeln, dass es einen kleinen Lichtpunkt an die Wand warf. Für einen kurzen Augenblick traf der Lichtpunkt auf die Ritze einer verborgenen Tür und leuchtete deren Umrisse blitzartig aus. Nachdem Gallin den damit verbundenen Mechanismus den anderen erklärt hatte, über den die Illusion wahrscheinlich zu steuern und die damit verbundene Falle überwunden werden konnte, wagte Scrat den Sprung ins Ungewisse. Er nahm Anlauf, rannte zunächst zur linken Wand, betätigte dort den Auslöser und sprang die letzten Meter vor der illusionären rechten Wand durch die Luft, direkt in die Wand hinein. Augenblicklich verschwand er dahinter.

Gleichzeitig fuhren Eisenstangen aus den drei Löchern an der Decke, die Gallin davor bereits entdeckt hatte. Blauweiße Blitze zuckten zwischen den Stangen hin und her und füllten Augenblicke später die gesamte Kammer. Es dauerte eine ganze Weile bis die Entladungen abebbten. Heftiger Ozongeruch lag in der Luft.

Draußen im Gang war jenseits des Mauerdurchbruchs fahler Lichtschein zu sehen. Scrat und Fuldo schauten abwechselnd nach und sahen drei Gestalten, die weiß leuchtende Laternen mit sich führten und diese an der Kreuzung im Gang auf den Boden stellten, an der der Stollen aus Richtung Orkus Heiligtum auf das untere Gangsystem trifft.

Sie bemerkten eine weitere Gruppe mit Fackeln den Gang entlang kommend. Sie hörten, wie die Tür zum Raum mit dem abstoßenden Leichenberg geöffnet wurde. Nach kurzer Zeit entfernten sich die Unbekannten wieder.

Zwischenzeitlich war Scrat auf der anderen Seite der illusionären Wand fündig geworden. Er warf eine Amphore voller Goldstücke, eine goldene Vogelstatue mit Edelsteinaugen und eine kleine Metallkiste durch die Mauer nach draußen. Insgesamt der bisher größte Schatzfund unserer Gruppe!

Dann traten sie den Rückweg an. Zunächst näherten sich Fuldo und Scrat vorsichtig der Grube, die sie beim Hinweg mit Planken überbrückt hatten. Dann folgten die anderen nach. Unter dem Gewicht der Schätze bogen sich die Planken gefährlich durch, doch alle schafften es auf die andere Seite. Dann baumelte die Lampe zwischen ihnen und dem Gang nach oben.

Scrat fackelte nicht lange und schoss mit der Armbrust auf die Lampe. Sie zerbarst in grellem Licht und Knochensplittern. Drei verzerrte, maskenhafte Gesichter waren im weißen Licht, das daraus entwich, zu erkennen. Die Masken kamen näher heran, waberten um die Gruppe herum, begutachtend und belauernd. Sie blickten mit ihren leeren Augenhöhlen bis hinein in die Seelen unserer Grabräuber und zerrten an ihnen. Das war zu viel für Fuldo. Etwas in ihm gab diesem Sehnen nach. Körper und Seele wurden auseinander gerissen und er löste sich vor den Augen der anderen auf. Nur seine Kleidung und Ausrüstung blieb zurück. Die Seelenmasken verschwanden. Ohne weitere Zeit zu verlieren, eilte die Gruppe eilte nach oben und ließ die unteren Katakomben, den Orkus Schrein und das Gräberfeld schnellstmöglich hinter sich.

Nach ereignislosem Rückweg durchs Moor erreichten sie schließlich wieder Heany. Doch statt dort Ruhe vorzufinden und auf einen erfolgreichen Plünderzug anst0ßen zu können, wurden sie schnell zum Vindonnus Schrein gerufen: Dort hatten Vandalierer den Obelisken umgeworfen und mit blutigen Orkus Runen besudelt. Der erst vor kurzem angelegten Hecken und Blumenrabatten waren niedergetrammpelt, Tische und Stühle teilweise zertrümmert. Zum großen Glück war der Vindonnus Kelch der Verwüstung entgangen. Arvor ging gleich daran, die Spuren zu sichern, um die Vandalierer ausfindig zu machen.


Mittlerweile ist Mittsommer in Heany und damit Halbzeit in unserer Kampagne.