Dead Capital – Session 13-16: Frisches Blut
Das Leben kam dazwischen, daher hier nach langer Zeit eine Zusammenfassung der weiteren Geschehnisse.
Nachdem Mekkara und Scrat im Kampf mit den erwachten Marmordrachen schwer verletzt wurden, brachen dieses Mal der Halbling Tobbin und der Elf Aicar ins Moor auf. Arvor war seinerseits in kirchliche Angelegenheiten eingespannt und gab den neuen Abenteurern lediglich die Weisung mit, beim Orcus Schrein nach neuen Umtrieben des Kultes Ausschau zu halten.
Während die beiden zusammen mit dem Zwerg Gallin, der schon den anderen treu zur Seite gestanden hatte, aufbrachen, erreichte ein grausiges Paket Mekkara und Arvor in Heany: Eine Kiste aus Ironguard Motte mit den abgetrennten Köpfen von Monk und Brack, die vor einigen Wochen ausgeschickt worden waren, um dem Kultisten am Sitz des Herzogs auf der Spur zu bleiben. Eingeritzt in die Stirn der beiden Unglücklichen war das Schlangenzeichen des Set Kultes. Die Spur verlief damit nicht nur im Sand, sondern endete in einer klaren Provokation und Warnung.
Auf dem Weg zum Gräberfeld kamen Tobbin, Aicar trotz der Führung durch Gallin im Nebel vom Weg ab. Zu ihrer Überraschung trafen sie auf eine kleine Hütte an einem der Moorseen. Dort lebte Patty, eine freundliche, ältere Frau mit ihren drei Hündchen Stupsi, Mupsi und Tupsi. Beim gemeinsamen Essen konnten die Abenteurer einen heimlichen Blick auf einen geöffneten, mit Intarsien verzierten Holzschrank inmitten der einfachen Behausung werfen. Daraus leuchtete goldener Schein hervor. Doch bevor sie noch mehr dazu erfahren konnten, schloss Patty die Tür und Gallin drängte zur Weiterreise.
Schließlich erreichten die drei den Grabhügel, in dessen Inneren sich der geschleifte Orcus Schrein befand. Der Zugang war mit Stöcken versperrt, ein Widderschädel, das Zeichen des mörderischen Gottes, hing darüber. Die drei ließen sich davon nicht abhalten und stiegen tiefer hinab. Vorsichtig überbrückten sie die ersten, ihnen bekannte Falle. Dann machte sich Tobbin daran, die zweite Falle auszuschalten. Doch die Falle erwies sich als tückisch. Tobbin stürzte in die tiefe Fallgrube und schlug sich den Schädel blutig. Gallin und Aicar machten sich an die Bergung und fanden dabei zwischen den Leichen der Orcus-Kultisten, die dort beim Sturm auf den Schrein zu Tode kamen, einen Zauberstab der Pestilenz.
Gerade hatten sie den bewusstlosen Tobbin geborgen, da ertönte aus den tieferen Gängen ein Hornsignal. Es klang wie ein Angriffssignal. Gallin und Aicar beschlossen schnell, ihr Heil der Flucht zu suchen, da sie mit Tobbin wenig Widerstand leisten konnten.
Der Rückweg verlief über unbekannte Pfade und brachte die Drei zu einem weiteren der unzähligen Seen. Dort trieb ein altes, aber offenbar gut erhaltenes Boot. Sie wateten ins Wasser und bargen eine in Tuch eingewickelte Leiche. Beim Aufwickeln kam die Mumie einer Prinzessin zum Vorschein. Als Aicar ihr eine wertvolle Kette vom Hals nahm, erwachte die Prinzessin zu ihrem Schrecken aus ihrer Totenruhe. Aus den schlammigen Tiefen tauchten weitere Wasserleichen mit Fischflossen auf, die unsere Abenteurer unter Wasser zu ziehen versuchten. Nur dadurch, dass Aicar die Kette der Moorprinzessin wieder ins Wasser zurück schleuderte, entgingen die Drei dem nassen Grab.
Einige Tage später wagten sich Arvor und Aicar zusammen mit dem Getreuen Gallin, einem neuen Bewaffneten Furag und dem Fackelträger Turgens wieder auf ins Moor. Zuvor hatte eine spektakuläre Nachricht der Vindonnus Kirche das kleine Heany erreicht: durch Arvor informiert und durch die erstaunlichen Fortschritte des Vindonnus Kultes vor Ort motiviert, kündete Frohdur Padisha der III., Hohepriester der Kirche des Vindonnus im Westen, sein Kommen an. Zusammen mit seinem Tross an Getreuen wird er in zwei Wochen in Heany erwartet.
Der erste neue Grabhügel, den die Abenteurer öffneten, brachte ihnen kein Glück. Das ganze Bauwerk war hochgradig einsturzgefährdet und so gaben sie nach kurzer Zeit auf und suchten sich einen anderen Hügel. Beim nächsten Grabhügel fanden sie am Treppenabgang die Zeichen einer anderen Grabräubergruppe, die Schuhlosen Wanderer, die sich hier wohl ebenfalls versucht hatten. Ein einziger Raum beherrschte diese Grabkammer. Die Mumie war unsanft aus ihrem Sarkophag entfernt und die Knochen über den Boden verstreut worden. Arvor machte es zu seiner Aufgabe, den Toten wieder zur Ruhe zu betten und segnende Worte über sein Grab zu sprechen. So entstand dort ein Sanktum, dass in der Zukunft noch hilfreich sein könnte.
Als es daran ging, den Rückweg anzutreten, mussten die Abenteurer feststellen, dass ihr Fackelträger Tugens, der draußen Wache halten sollte, verschwunden war. Irgend etwas hatte ihn niedergeschlagen und davon geschleift. Dafür waren mehrere frisch gebratene Froschschenkel vor dem Grabeingang niedergelegt worden. Als wolle ihnen jemand ein Geschenk machen.
Einige Tage nach ihrer Rückkehr kam der Tross von Frohdur Padisha der III., Hohepriester der Kirche des Vindonnus, genannt "Die Fackel", in Heany an. Begleitet vom Fackelbanner, rund 20 Waffengetreuen, schlug er seine Zeltstadt unmittelbar beim Vindonnus Schrein auf. Kurzerhand rief Frodur das Lex Bellum Auroris, das Kriegsrecht der Morgenröte aus und beschlagnahmte die Hälfte der Abgaben, die normalerweise an das Haus Ironguard gehen. Ironguard, die unterdessen am Krieg gegen den Ewigen Feind im Norden beteiligt waren, konnten darauf nicht mit der nötigen Entschiedenheit reagieren und mussten diesem Treiben tatenlos zusehen. Währenddessen sahen Ryn, Keeva und Carvy ihre Götter in den Hintergrund gedrängt und suchten nach Möglichkeiten, der plötzlichen Übermacht des Vindonnus Kultes zu begegnen.
Als Frohdur vom Nergaltor erfuhr, interessierte ihn nichts anderes mehr. Schnell stand fest, dass er seine Getreuen, darunter auch Arvor und die Anhänger des Kultes aus Heany in die Schlacht führen würde. Während sie zum Gräberfeld aufbrachen, sprach Scrat mit Ryn und Keeva und versicherte sich deren Unterstützung.
Als die Truppen unter Frohdurs Führung am Tor ankamen, entfachte er die Fackel seines Gottes, um der verderbenden Macht Nergals, die vom Tor ausging, zu trotzen. Dank dessen fielen nur wenige der Getreuen der tödlichen Aura zum Opfer. Die Untoten, als die sich die frisch Gestorbenen erhoben, konnten schnell unschädlich gemacht werden. Dann zog der Trupp in die gewaltige Halle hinter dem doppelflügeligen Tor ein. zwischen mächtigen Pfeilern lag ein runder Pfuhl blutigen Wassers vor ihnen. Darüber ein goldener Käfig, in dem sich der Leib einer gequälten Kreatur wand. Ein junger Drache, dessen Lebenskraft beständig in den Pfuhl abtropfte und ihn ohne Schuppen, Haut und mit blutigen Knochen im Käfig hielt. Während Snamren Bonebraid, ein Zwerg aus den Reihen Frohdurs, die Apparatur genauer in Augenschein nahm, erklomm Tobbin tatkräftig über die schwere Kette den goldenen Drachenkäfig, brachte ihn zum Schwingen und zerschlug den Kettenzug. Der Käfig stürzte auf den Boden der Halle und zerbarst in tausend Stücke. Augenblicklich kam neue Lebenskraft in den Drachen. Schuppen bildeten sich zurück, Muskeln erstarkten, der ganze Leib wuchs in die Größe. Er reckte sich und genoss seine neuerlangte Freiheit.
Der Drache sah sich um und jeder hörte die Stimme in seinem Kopf als er sprach: "Ich bin Rastuvar, Sohn des Ossithrax Pejorativ." Die meisten Getreuen kauerten sich ängstlich zusammen. Frohdur richtete das Wort an den Drachen, teilte ihm mit das er im Namen von Vindonnus befreit worden war und sich nun dem gerechten Kampf gegen Nergal anschließen könne. Der Kopf des Drachen ging hin und her, zerfressende Säure tropfte aus seinem Maul auf schreiende Getreue. Rastuvar sprach von der vergeblichen Suche nach seinem Vater. Diese werde er nun fortsetzen. Und er würde ein Auge auf die Zweibeiner haben, die ihn befreit hätten. Frohdur, der sich damit offensichtlich nicht zufrieden geben wollte, richtete erneut das Wort an den Drachen und wiederholte die Aufgabe, die seiner Meinung nach auch vor dem Drachen läge. Daraufhin rührte Rastuvar mit seiner Klaue in der bluten Suppe und schüttete dem überraschten Frohdur das kochende Blut über den Kopf. Unter Schreien und entsetzlichen Qualen verwandelte Frohdur sich vor den Augen seiner Getreuen in ein Mischwesen aus Fisch, Igel, Katze und Mensch. Sichtlich zufrieden ließ der Drache den gebrochenen Frohdur am Boden zurück und flog davon.
Während sich Arvor um die Verletzen und den bewusstlosen Frohdur kümmerte, hielten einige Getreue draußen Wache. Tobbin und Snamren untersuchten den bluten Pfuhl weiter und entdeckten eine Wendeltreppe, die unmittelbar unterhalb der Fläche wie ein Spiegel aufgespannten Blutes weiter hinab führte. Offensichtlich ging es darunter weiter. Sie arbeiteten an den Resten der schwenkbaren Käfigkonstruktion, mit dem Ziel einen Durchgang durch den Blutspiegel zu schaffen. Doch dazu kam es nicht. Plötzlich wurden die Wachen am Eingang angegriffen. Hakenbesetzte Seile wickelten sich um die Hälse der Männer und zerrten sie mit brutalem Ruck ins Freie. Schnell rückten die Getreuen nach, bildeten eine Phalanx gegen das auftauchende Übel.
Im Nebel vor dem Nergaltor waren hoch aufragende Gestalten in grauen Kutten aufgetaucht. Sie hielten einen der Vindonnus-Kämpfer als Geißel und begannen ihn vor den Augen aller zu foltern. Arvor stürmte als neuer Anführer mit seinen Leuten nach vorne. Gemeinsam warfen sie sich den fünf Angreifern entgegen. Doch obwohl sie diesen an Zahl weit überlegen waren, traf sie die untote Kraft, Schnelligkeit und Zähigkeit dieser Wesen voll. So sehr sie auch auf sie einschlugen, zunächst mit Waffen, und als das keine Wirkung zeigte, mit Feuer, so wenig schien es ihnen anzuhaben. Nur sehr sehr langsam zerfiel ein Untoter nach dem anderen unter den Fackelhieben zu Asche. Als die Gefahr überwunden war, hatten außer Arvor und Tobbin, beide bewusstlos, nur Snamren und sechs der Vindonnus Getreuen überlebt. Mit letzter Kraft schleppten sie sich zurück nach Heany.