Oshury – 02 - 14: Musik in euren Ohren
Die Gruppe machte sich daran, ihre neugewonnenen Reichtümer unter die Leute zu bringen. So wurden von Perkin und Skarild erste Maßnahmen ergriffen, um ein Seebad in Skaegh zu errichten. Allerdings kam es dabei zu einem ersten Rückschlag als der Prospektor in der Lagune von Riesenkrabben angefallen wurde und dabei ein Bein verlor. Außerdem stehen die Gaeleth-Gänger mit ihren Suchschweinen der Idee eher skeptisch gegenüber.
Gold kam auch auf Burg Zarengeschenk zum Einsatz. Felri möchte dort einen Maskenball ausrichten; doch die Vorbereitungen gestalten sich schwierig, da in der aktuell als unsicher eingeschätzten Situation nicht viele bereit sind, zur Burg zu reisen.
Ganz Skaegh bereitet sich derweil auf das in fünf Tagen stattfindende Bernsteinfest vor. Zur Zeit der Steinernen Königinnen von Königin Bryn ins Leben gerufen, hat sich dieser Brauch in Skaegh über die Jahrhunderte gehalten. Verliebte und einander Zugeneigte schenken sich an diesem Tag Bernsteine, es wird überall getanzt, musiziert und gefeiert. Dieses Jahr wird das Fest noch größer ausfallen, da Skaegh eine schwierige Zeit hinter sich lassen kann nach den Unruhen um die Bastille und den Verheerungen durch den Schwarzen Troll. Bernsteine werden entsprechend teuer gehandelt. Die neugegründete Unternehmung von Al'Nagi und Gilmore, in der sich das aggressiv agierende Handelshaus mit der Gründerin des Gestüts zusammentat, hat sich kurzerhand allen verfügbaren Bernstein gesichert und verkauft ihn mit großem Gewinn weiter.
Der größte Teil der Gruppe beschloss, nicht lange in Skaegh zu verweilen, sondern schnellstens wieder zu Moptop und dessen Lehrmeister Emrestis zurück zu kehren, um den Barden nicht zu lange warten zu lassen. Nur Perkins blieb in der Umgebung von Skaegh zurück, um sich auf eine einwöchige Traumreise zu begeben.
Bei schönem Sommerwetter kam die Gruppe auf dem nun schon vertrauten Weg gut voran. Als sie die Lichtung mit dem Schrein des Hagi erreichten, hörten sie von Weitem Musik, die anrührend und irritierend zugleich war. Sphärische Klänge, die sie zum Lager des Barden Emrestis und seines waldschratigen Schülers Moptop führten. Die beiden waren offenbar gut miteinander ausgekommen und Moptop hatte gewaltige Fortschritte gemacht. Er brauchte zwar etwas Ermutigung, um mit dem Spiel auf einem gewaltigen, an eine Harfe erinnernden und aus Baumstämmen gefertigten Instrument zu beginnen. Aber bereits nach den ersten Zupfern an den Saiten war er so vertieft und voller Hingabe, dass ihn niemand mehr hätte aus seinem Spiel reißen können. Auch die Gruppe war von der aufwühlenden, ganz tief in sie dringenden Musik ergriffen und belohnte Moptop mit frenetischem Applaus. Diesen nahm auch Emrestis mit Genugtuung entgegen und ließ sogleich seinen Hut wandern. Nicht ganz freiwillig zeigten sich alle als sehr spendabel, so dass der Barde sich zu seinem ausgehandelten Lohn noch zusätzlich über 35 Goldstücke freuen konnte.
Am nächsten Morgen nahm Moptop die Charaktere mit zu einem Ausflug in den Wald. Er wollte ihnen als Dank für den Musikunterricht noch etwas ganz Besonderes zeigen. Der Waldschrat führte sie zu einer Lichtung, auf der mit Moos überwachsende Steintrümmer herumlagen. Bei näherem Hinsehen zeigten sie sich als Teile einer gigantischen Kranichstatue. Vor langer Zeit war sie hier aus Marmor errichtet worden. Die Untersuchung brachte weitere Details zum Vorschein: Oshun-Ghaid Zeichen fanden sich zwischen den Brustfedern des Kranichs, die eine Art Jahres- und Lebenskreislauf beschrieben. Zeitgleich legte Peogyd das Fundament der Statue frei. Darauf war zu lesen:
Westlichster Pfeiler der Macht der Königin Morwe. Erweist dieser Ehre und euch wird ihre Huld gegeben.
Offenbar wurden früher Opfergaben zu Füßen der Statue abgelegt: Nahrung, aber auch kostbare Kunsthandwerkerzeugnisse, Gold und Silber.
Die Gruppe sammelte fleißig die Bruchteile der Statue zusammen, die über die ganze Lichtung verteilt lagen. Es fehlte aber das Mittelstück des Kranichschnabels. Nathanaels Zauber lokalisierte dieses auf einer unscheinbaren Lichtung, gut zwanzig Minuten von der Statue entfernt. Zwischen Wurzeln ragte ein bogenförmiger, fensterartiger Rahmen, aus dem Erdreich auf. Er glänzte wie von schwarzem Obsidian und wirkte ganz so, als wäre er gerade eben erst dort aufgestellt worden. Lautstark warnte Moptop die Charaktere davor, näher zu kommen. Er sprach von den Grauen Schwestern, offenbar dunkel gesonnene Schratige oder Feenwesen, die den Zugang zu ihrem Reich eifersüchtig bewachen. Die Gruppe beschloss, hier keine weitere Gefahr einzugehen und lieber schnell zu Emrestis zurück zu kehren.
Zurück beim bereits ungeduldig wartenden Barden, bat die Gruppe Moptop noch darum, sich nach den Grauen Schwestern zu erkunden. Außerdem ließen sie anklingen, dass sie sich über eine Einladung zum Bardentreffen der Schratigen freuen würden.
Zurück in Skaegh waren die Vorbereitungen zum Bernsteinfest im vollen Gange. Einige Skaegher machten sich aber offen Sorgen um die Zukunft: Das nächste Zarenschiff wird in fünf bis zehn Tagen erwartet. Wie wird die Besatzung reagieren, wenn sie nicht mehr von der Fackel und den Soldaten der Ygtras willkommen geheißen wird? Die Gruppe beschloss jedenfalls, noch weitere fünf Tage in Skaegh zu verbringen und erst danach zum Schrein des Aengus und dann weiter nach Akla zu reisen. Dafür wollen sich ihnen zwei Aengus-Gläubige anschließen. Außerdem möchte der Schreinwächter Rhudan wieder dorthin zurück kehren. Die junge Akolythin Fia wird nachfolgen, sobald die Gruppe sicher gesellt hat, dass die Gegend wieder einigermaßen sicher ist.
Aber zunächst einmal werden unsere Charaktere das Bernsteinfest in Skaegh genießen dürfen. Nach den Ereignissen der vergangenen Tage, haben sie eine Auszeit sicherlich dringend nötig.