Oshury – 02 - 22: Zweifelhafte Heilpraktiken
Um dem Blutmoos im Grabmal G'vane ein Ende zu bereiten, suchten unsere Glücksritter Akla auf. Das Ziel: Brennbares zu beschaffen, um den Grabmalbesetzer damit ausräuchern zu können. Dabei schlossen sich ihnen Eudokia (Dusya) Igorievna und ihr Bruder Phokis an.
Der eigentlich kurze Weg nach Akla wurde aber jäh unterbrochen, als ein Erdbeben, das sich schon im Morgengrauen angekündigt hatte, einen Hügel nicht weit von ihnen spaltete. Auch das Grabmal wurde durch das Beben beschädigt - tiefe Risse zogen sich durch den Stein. Zwar konnte das Erdbeben der Gruppe hier nicht weiter gefährlich werden, doch mussten sie laut Perkin damit rechnen, dass in einigen Stunden eine Flutwelle Skaegh erreichen könnte. Was würde das für die Fischer, die Gaeleth-Gänger mit ihren Schweinen und die geplanten Bad-Anlagen bedeuten?
Zunächst ging es aber weiter nach Akla. Durch die riesige Stadtmauer erreichten sie das Innere der einstigen Stadt, doch nur einige Ruinen zeugten von deren einstiger Größe. Die kärglichen Hütten und wenigen Häuser waren allesamt verwaist; lediglich aus der alten Markthalle und halb verfallenen Bergfried stieg Rauch auf, der auf Überlebende der Seuche hoffen ließ.
Die Gruppe wandte sich zunächst der Markthalle zu und machte dort Bekanntschaft mit Taeil Lochtis. Die Totengräberin Aklas war unverhofft zur Pflegerin der Überlebenden der Seuche avanciert. Sie hatte ihre ganz eigene Art, die Kranken von der Seuche zu heilen: An den Säulen festgebunden, flößte sie ihnen in regelmäßigen Abständen Biersuppe ein. Offenbar sprachen einige gut darauf an und zeigten Zeichen allmählicher Besserung. Von Taeil erfuhren sie auch, dass es noch einen weiteren Krankenpfleger in Akla gab: Hester Braig, ein Mönch aus dem Koster von Fluth.
Der kahlköpfige Hester hatte seine Schützlinge (er selbst nennt sie "verlorene Schafe") im Inneren des Bergfrieds untergebracht. Die Gruppe platzte mitten in eine bizarre Zeremonie hinein: Dort hielt er gerade eine bizarre Zeremonie ab: Die Kranken liefen hintereinander her im Kreis, wobei ihre Hände jeweils dem vor ihnen Gehenden um den Hals gelegt und gebunden waren. Dem Ganzen voran marschierte Hester, dabei lauthals ein Hymne auf die Ewigen, die alten Götter Hivtr und Doanh anstimmend. Er predigte den Ausgleich und die Balance zwischen den Kräften des Aufbaus und Untergangs. Eine tiefe Furche im Boden und die blutigen Füße der Kranken verrieten, dass Hester diese obskure Prozession viele Male pro Tag abhielt.
Über die Störung keineswegs erfreut, lud Hester die Zarengeschenke dazu ein, sich der Prozession anzuschließen. Phokis hielt das für eine gute Idee. reihte sich kurzerhand ein und half Hester dabei, den ganzen Zug unter Kontrolle zu halten. Währenddessen sah sich seine Schwester Dusya im Bergfried um und zapfte sich unbemerkt eine blaue Flüssigkeit ab, die Hester offenbar dazu benutzte, seinen Einfluss über die "Schafe" zu verstärken.
Die Gruppe stand vor einem Dilemma: Sie wollten Phokis aus Hester's Einfluss befreien, dieser trat aber nicht offen feindlich ihnen gegenüber auf. Stattdessen erzählte er etwas von der inneren Gelassenheit, die alle wiederfinden müssten, um die Seuche zu besiegen. Es seien ins Ungleichgewicht geratene Kräfte für die Krankheit verantwortlich. Und Phokis schien dem voll und ganz zuzustimmen. Er machte keine Anstalten, seine neu gefundene Gemeinschaft schon wieder zu verlassen. Da half auch jeglicher Appell Perkins nicht, der Hester letztlich so sehr störte, dass er seinen Schützligen befahl, den Druiden notfalls mit Gewalt zu entfernen.
Die Anderen standen der Situation zwiespältig und ratlos gegenüber. Sie wollten sich nicht offen gegen Hester stellen, aber auch nicht einfach Phokis in seinen Händen zurücklassen. Ihrem Gefühl nach war etwas dran an dem, was der charismatische Mönch erzählte. Sie konnten es selbst spüren. Und gleichzeitig waren seine Praktiken und Reden doch allzu merkwürdig, um ihm komplett zu vertrauen. Irgend etwas brachte schließlich die Wendung: Es war Peogyd, möglicherweise durch einen Wink seines Gottes Aengus alarmiert, dem klar wurde, dass Hester, in dem Versuch die Kranken zu heilen, ein neues, nicht weniger fesselndes Gefängnis um sie errichtet hatte. Gemeinsam lotzten sie Phokis aus seinem Kreis. Mit jedem Meter, den sie den Bergfried hinter sich ließen, schwand der Einfluss Hesters. Mit jedem Meter wuchs aber auch die Wehmut in Phokis darüber, etwas Wertvolles verloren zu haben.