Oshury – Staffel 02 - 04: Gesellenstück

Oshury – Staffel 02 - 04: Gesellenstück
Connor Gradis Wandteppich - sein Gesellenstück

Dwinbar, Grolak, Nathanael und Peogyd verfolgten die Entwicklungen in Skaegh rund um die Räumung und friedliche Besetzung der Bastille.

Die Rittschaft vom Stein brach unter Führung von Cennet Queally zur Grotte der Uralten auf. Dwinbar folgte ihnen unbemerkt in einigem Abstand, um herauszufinden, wohin sie danach aufbrechen würden. Der zweistündige Weg führte zu den Klippen am Meer und dort in eine Felsenschlucht hinab. An deren Ende lag, in Hörweite der heftigen Brandung, ein schlundförmiger Höhleneingang.
Nachdem Dwinbar bis zum Abend gewartet hatte und nichts von der Rittschaft zu sehen war, stieg er selbst in die dunklen Grotten hinab. Beunruhigt hatten ihn auch die dunklen Wolken, durch die grüne Blitze zuckten, die über dem Meer standen und wohl bald das Land erreichen würden.

Währenddessen hörten sich die anderen in Skaegh nach weiteren Gerüchten und damit Möglichkeiten um.

Abermals kam ihnen die Geschichte der Schneefee Casuwai zu Ohren, die in Caranns Hügel im Sterben liegen soll. Der Pfeil eines dämonischen Reiters, so heißt es, hat sie tödlich verwundet. Der gesamte Hügel liegt in dauerhaftem Schneegestöber.

Sie hörten von einem hohlen Baum in den Wiesen von Skaegh, zu dem eine frische Blutspur führt, die in einem Loch zwischen den gewaltigen Wurzeln endet.

Außerdem trat der Webermeister Torn Gradi an sie heran. Er bat die Gruppe darum, seinen Sohn, frischgebackener Geselle der Weberzunft, zu einem alten Schrein des Gottes Hagi zu führen. Dort möchte Connor sein Gesellenstück, einen kunstvoll gewebten Wandteppich, als Opfergabe niederlegen. 50 Goldstücke stellt der stolze, aber auch etwas besorgte Vater in Aussicht.

Die Skaegher hatten es angekündigt: Der Morgen des fünften Thelgehem brachte einen der selten, berüchtigten Schattenstürme. Aus dem schaurig mit grünem Licht beleuchteten Himmel fielen regenschauerartig giftgrüne Raupen hinab. Bei näherem Hinsehen (Nathanael und Grolak interessierten sich dafür), zeigten sich die Raupen eher als fingerlange Tentakel. Sie blieben einige Zeit am Boden liegen und lösten sich dann in Luft auf. Tote Materie, aber auch Bäumen und Pflanzen schienen sie nichts anzutun, doch später konnte man einen Blick auf einen getöteten Hund werfen, dem eines der Tentakel ein Loch senkrecht durch den Rücken gebohrt hatte. Zum Glück kommen diese Schattenstürme wohl nur alle paar Jahrzehnte vor.

Die Gruppe beschloss, Connor Gradi zum Hagi-Schrein zu begleiten. Sie warteten bis zum Mittag das Ende des Schattensturms und die Rückkehr Dwinbars ab und brachen dann, dem Trollaugenbach folgend, auf.

Im Blaublätterwald und auf der Lichtung angekommen, zeigte sich der Schrein in schlechtem Zustand: Das Dach war an einer Stelle eingebrochen. Ein Ast wuchs hinein Tauben hatten sich im Dachstuhl eingenistet.

Auf dem Platz vor dem Schrein standen auffällige Steinpyramiden, aus einfachen Feldsteinen erbaut. Dwinbar schaute in eine hinein und fand einen getrockneten Kürbis darin. Der Zweck des Ganzen blieb unklar.

Die Eingangstür des Schreins war offenbar vor kurzem erneuert worden und im Vorraum fand sich ein frisch freigelegtes Bodenmosaik. Es zeigte den Gott Hagi bei schweißtreibender Feldarbeit, während seine Brüder unter einem Baum schliefen. Beobachtet wurde er von seinen drei Schwestern.

Ein Raum zur Rechten war offenbar vor langer Zeit zugemauert, dann vor kurzem aufgebrochen und dann wieder zugemauert worden.

Der große Andachtsraum beherbergte eine Unzahl handwerklicher Opfergaben. Über ein Steinrollo konnte ein Schauraum zugänglich gemacht werden. Mit Muskeleinsatz schaffte Dwinbar diesen Zugang zum Heiligtum, dass eine ähnliche Szenerie wie das Mosaik zeigte: Eine Statue des Hagi stand inmitten eines liebevoll gestalteten Dioramas. Da war der muskulöse Hagi aus dem Mosaik, der einen Pflug führte, den normalerweise nur ein Ochse ziehen kann (der Pflug ist das Symbol des Gottes). Der Pflug war aus seiner Furche gekippt. Auf einem stilisierten Felsen (vieles war aus Ton gearbeitet), prangte eine Sonnenuhr. Ihr Zeiger war voller Spinnweben und das winzige Fenster, durch dessen geschliffene Scheibe früher Licht genau auf den Zeiger fiel, war durch Dreck und Spinnweben blind geworden. Zwischen den Felsen lag ein Unterstand, der ursprünglich Schutz gegen Unwetter darstellen sollte. Gelb angemalte Blitze, blaue Hagelkörner und sogar ein feuriger Komet aus Ton, hingen einmal an Fäden über dem Dach des Unterstands. Heute waren sie herabgefallen.
Dazwischen sind deutlich kleinere Tonfiguren zu sehen, die Menschen bei verschiedensten Tätigkeiten darstellten. Allesamt Gläubige des Hagi, die sich hier ein Denkmal gesetzt hatten: Schafhirten auf den Wiesen, Fischer auf einem aufgemalten, rauen Meer, Schneider und Tischler, sogar ein Gaeleth-Gänger mit Schwein war darunter.

Dann schaute sich die Gruppe weiter im Schrein um. In der Küche  fühlte sich Dwinbar von irgendetwas beobachtet. Dann entdeckte er kleine Fußabdrücke in der nassen Spüle. Mit neu heraufgepumpten Wasser konnte er für kurze Zeit die Umrisse eines unsichtbaren Geckos sichtbar machen, bevor dieser blitzschnell im Abfluss verschwand.

Nathanael kletterte als Erster über eine Leiter auf den Dachboden hinauf. Neben dem Taubenschwarm, der sich dort eingenistet hatte, fand sich dort eine große, eisenbeschlagene Truhe aus dunklem Holz. Als er sich ihr näherte, schnappte die Truhe plötzlich nach ihm. Er war einem Mimik auf den Leim gegangen! Ein Kampf entbrannte, der alle forderte. Zuletzt konnte Dwinbar den Mimik, der in Gestalt einer riesigen Taube flüchten wollte, schnappen. Peogyd erstach ihn mit einem gezielten Schwertstoß. Neben blauem Blut und Nährschleim prasselten Goldstücke zu Boden.  Nach diesem unerwarteten Kampf beschloss die Gruppe, sich weiter umzusehen und danach dort die Nacht zu verbringen.